„Bei uns im Auto gehts schon ab.“- Interview mit Harms/Peemüller

Nun gibt es die ersten Einblicke in das männliche Sportler-Sein. Los geht es mit Manuel Harms und Richard „Mr. Playersparty“ Peemüller.


Was wolltet ihr früher werden?

Manu: Bei mir stand im Freundebuch immer Schauspieler. Ich habs dann ein Jahr in der Schauspiel AG versucht und gemerkt, dass es gar nicht meins ist. Dann kam Volleyball.

Richard: Bei mir tatsächlich Sportler. Früher auf jeden Fall Fußballer.

Wurdet ihr schonmal erkannt?

Manu: Ich komm jetzt nicht aus dem größten Dorf. Da hab ich in der Jugend und auch bei den Herren gespielt und da wurden dann die Zeitungsartikel geschrieben und dadurch, dass da sportlich nicht so viel passiert, werde ich dann immer von den Arzthelferinnen angesprochen, ob ich nicht der aus der Zeitung bin.

Richard: Das hängt sehr damit zusammen, wo man gerade lokal ist. In Meiner Heimat Dresden ist es eher selten, aber passiert schon mal. Gerade in der letzten Saison als ich in Eltmann gespielt hab, wurde ich in Bamberg dann schon öfter erkannt und angesprochen. Bei meinem neuen Verein ist es jetzt auch so, dass die einen da erkennen.

Lieber Stadt- oder Strandturniere?

Richard: Ganz klar Stadtturniere. In den Städten, gerade wenn man in der Innenstadt ist, ist immer so ne richtige Kesselatmosphäre und es knallt mehr, wenn man auf den Ball draufschlägt.

Manu: Es hat beides seinen Reiz. Ich glaube, ich bin eher der Strandturnierspieler, weil mir das Wetter da lieber ist. Ich mag die Hitze nicht und in den Städten ist es immer so heiß. Ich war in den Städten aber immer erfolgreicher.

Was ist eure Lieblingssportart außer Volleyball?

Manu: Ich würde auf jeden Fall Basketball nehmen. Ich schaue auch viel NBA.

Richard: Vom Verfolgen her auf jeden Fall Fußball und wenn ich selber noch was ausübe, ist es wahrscheinlich klettern.

Lieber knapp im Tiebreak gewinnen oder klar dominieren?

Manu: Immer knapp im Tie Break.

Richard: Ja, da geh ich mit. So ne richtig knappe Schlacht, fast eineinhalb Stunden. Das sind so die Spiele, die hängenbleiben.

Was war euer letzter Fehlkauf?

Richard: Ich hab auf jeden Fall was. Ich hab während der Coronazeit richtig viel geshoppt. Die Frage ist jetzt, was davon meine Nummer eins ist.

Manu: Ich hab auch richtig viel gekauft, aber ich find alles geil. Der größte Fehlkauf war der NBA Game Pass. Ich hab mich irgendwann dazu durchgerungen mir einen eigenen zu holen und pünktlich eine Woche später kam Corona und die Liga wurde abgesagt.

Richard: Da würde ich mich anschließen. Im März hatte ich schon die ganze Ausrüstung für den Sommer bestellt und ein Auto geleast und zehn Tage nachdem ich das Auto abgeholt hatte: keine Beachsaison.

Was ist euer Lieblingsschlag?

Beide: Hart

Richard: Am liebsten schlag ich von der rechten Seite spitz diagonal und auch von der linken Seite zurück auf die Linie. Über so nen Cut- oder Lineshot kann ich mich auch nicht so freuen wie wenn ich das Ding da so voll reingezimmert hab.

Was treibt euch voran?

Richard: Ein Zitat von Michael Jordan: „Don’t be afraid to fail, be afraid not to try.“ Das ist auch seit vier oder fünf Jahren mein Whatsappstatus. Ich will mir im Kopf auch keine Grenzen setzen, sondern alles versuchen und so lange an mir arbeiten bis irgendwann die Grenze erreicht ist. Das ist mein Ziel, es immer weiter auszureizen bis irgendwann die Grenze erreicht ist.

Manu: Ich hab mich in den letzten Jahren in meinem sportlichen Handeln gefunden, würde ich sagen. Bis vor zwei Jahren hab ich den Sport, um des Erfolgeswillen betrieben u d jetzt mache ich es um des Sportes Willen. Das ist das, was mich voranbringt und bereichert. Immer den Gedanken zu wahren: ich mach das, weil ichs geil finde, weil ich den Sport liebe. Damit hab ich auch den größten Erfolg.

Habt ihr ein Ritual vor jedem Spiel?

Richard: Ich hör immer gerne laut Musik. Wenn wir vom Hotel zu den Plätzen fahren, ist die Anlage so laut wie es geht. Egal, zu welcher Uhrzeit am morgen. Dann kommt entweder Hardcore Elektro oder Gangsterrap, dass man gepusht aus dem Auto aussteigt.

Manu: Da geh ich mit. Muss ja.

Was bringt euch dazu, gegen den Pfosten zu treten?

Richard: Ganz klar meine eigenen Aktionen. Was der Gegner macht, macht der Gegner und was der Schiedsrichter macht, macht der Schiedsrichter, damit müssen wir klarkommen. Wenn ich gegen den Pfosten trete, dann ist es immer eine dumme Aktion, wo ich einen, aus meiner Sicht, dummen Fehler mache.

Wie reagiert ihr auf „schlechte“ Schiris?

Richard: Ich muss sagen, wir haben es taktisch clever gelöst, dass Manu Kapitän ist :-). Ich weiß, dass ich mich vor 2-3 Jahren richtig reinsteigern konnte, aber seitdem Manu Kapitän ist, darf eh nur er mit dem Schiri reden und jetzt muss es schon extrem sein, dass ich mich bemerkbar mache.

Manu: Ich würde behaupten, auf der Tour kann ich mit am besten damit umgehen. Ich finde, ich schaffe es ganz gut mich in diesem Gespräch und dem Nachfragen mit dem Schiedsrichter herunterzuregeln. Ich weiß, es hilft nichts zu fragen warum er den im Netz gesehen hat, aber es hilft mir. Früher habe ich auch viel mit Atemtechnik gearbeitet, zum Runterkommen.

Was war bisher euer prägendster Moment im Beachvolleyball?

Richard: Für mich ganz klar letztes Jahr Dresden. Da kam alles zusammen. Ich bin in Dresden geboren und wir haben Donnerstag erfahren, dass wir am Turnier teilnehmen. Da durfte ich das allererste Mal Tour spielen, dann auch noch in meiner Heimatstadt. Das war eh schon etwas ganz Besonderes. Dann haben wir uns auch noch in einen Rausch gespielt und sind ins Finale gekommen. Da muss man sich immer mal kneifen.

Manu: Prägend war für mich am ehesten die Studentenweltmeisterschaft 2017. Das war für mich das erste Mal wirklich relevant international spielen. Da haben wir auch gegen Kantor/Losiak gespielt. Das war auch das erste Mal, dass ich gesagt habe, ich kann mich in der Welt messen und ich kann das doch gar nicht so schlecht. Mich selbst hat das sehr weitergebracht. Timmendorf war auch krass, weil ich immer so knapp dran gescheitert bin. Ich habe mein ganzes Leben in diesen Sport investiert und es war eine Erlösung, es letztes Jahr nach Timmendorf geschafft zu haben.

Was war bisher eure schlimmste Verletzung?

Richard: Da hatte ich relativ viel Glück. Da war nur ein Bänderiss.

Manu: Am längsten hat mich ein Bandscheibenvorfall rausgebracht, da musste ich 3 Monate Pause machen. Das ist auch schon ewig her. Wirklich Großes aber nicht.

Wie kriegt ihr den ganzen Sand aus dem Bad?

Manu: Ich bin froh, dass ich meinen Mitbewohnern beim WG-Casting nicht gesagt habe, wieviel Sand ich nach Hause bringe :-). Hilft nichts, alles staubsaugen.

Richard: Egal, wieviel Mühe man sich gibt, es kommt immer einer danach an und sagt: “Boa, ich hab voll viel Sand an den Füßen”.

Habt ihr schon Pläne, was nach dem Sport kommt?

Manu: Ja, ich bin gerade bei meiner Bachelor-Arbeit und ich mache wahrscheinlich ein Zweitstudium in Wirtschaftsinformatik, dementsprechend keine Pläne :-). Ich komme auf jeden Fall irgendwo unter: Ich weiß nur noch nicht, wo es mich hintreibt. Ich wüsste es auch nicht, wenn ich kein Beachvolleyball machen würde, denn im Moment liegt der Fokus eher auf dem Studium.

Richard: Bei mir liegt der Fokus momentan extrem auf Sport. Parallel studiere ich noch Wirtschaftswissenschaften. Ich würde gern danach mit dem Studium Richtung Projektmanagement gehen, also sehr sehr große Projekte leiten und darin involviert sein. Das kann auf dem Bau sein oder in Richtung Automobil, aber auf jeden Fall Richtung Projektmanagement Leadership. Ob das jetzt in 5, 10 oder 15 Jahren ist, wird der Sport zeigen.

Könnt ihr euch vorstellen, Trainer zu werden?

Manu: Ich habe die letzten Jahre schon immer wieder Jugendtrainer gemacht. Ich finde es schon geil, aber ich glaube, dass ich das nicht aushalte, weil es mich dann fertig macht, wenn die nicht machen, was sie sollen. Ich habe angefangen als Trainer, da waren die Spieler noch genauso alt wie ich. Ich bin nicht der Mensch, der anderen Volleyball beibringen kann. Da habe ich nicht die Geduld oder das Gen für. Ich finde es geil, mit Menschen zu arbeiten, die bereits Volleyball spielen können, aber auch nicht auf Dauer.

Richard: Mir geht es da wie Manu, momentan kann ich es mir aber noch nicht vorstellen. Es kann sein, dass das noch kommt, dass ich gern mein Volleyballwissen, dass ich mir aufgebaut habe, weitergeben möchte, aber aktuell halte ich es nicht aus und ich bin auch ein schlechter Zuschauer. Da bekomme ich immer Bock, selbst zu spielen.

Manu: Aber Fan bin ich ein guter. Ich könnte mir auch vorstellen, später Spielerinnenmann zu werden :-).

Richard: Vielleicht könnte ich mir vorstellen, später auch mal einen Erstligaverein kaufmännisch zu führen, weil ich finde, dass viele Vereine noch viel unausgeschöpftes Potenzial haben. Das möchte ich vorantreiben und endlich auf das Niveau von z.B. Handball kommen und Präsenz zeigen.

Wer gewinnt die Liga der Frauen? Braucht ihr nochmal die Tabelle?

Manu: Also ich saß hier die letzten sieben Tage und habe Beachvolleyball geguckt.

Richard: Das läuft doch noch gar nicht so lange :-). Ich habe auch mal reingeschaut und das hat mich richtig motiviert und gepusht, jetzt kann ich es kaum erwarten, Samstag endlich anzufangen. Momentan würde ich wahrscheinlich auf Borger/Müller setzen, weil die mir sehr fit erscheinen und die Karla die Svenja ganz gut an die Hand nimmt. Svenja spielt für ihre 19 Jahre auch schon sehr konstant, deswegen würde ich mich für die freuen.

Manu: Ich nicht. Die spielen super, ich denke aber auch Cinja und Kim sind heiße Kandidatinnen. Mein Underdog-Tipp wären allerdings Melli und Sarah. Ich kann mich nicht an ein Turnier erinnern, in dem Melli nicht im Finale stand und ich bin auch ein großer Fan von Sarah. Ich glaube die räumen das Feld noch von hinten auf, ob sie am Ende das Final-4 gewinnen, weiß ich nicht. Für die würde ich mich am meisten freuen.

Stand: 17.6. 21:00

Wer ist besser bei den Frauen, wer ist besser am Glas?

Richard: Ich finde, wir können beide beides ziemlich gut :-).

Manu: Ja, aber wenn ich ganz ehrlich bin, ich glaub Richard ist mir in beidem eine Nasenlänge voraus.

Richard: Ich würde schon sagen, dass ich ein kleines bisschen mehr vertrage.

Bei Frauen?

Richard: 🙂 Am Glas. Bei Frauen sind wir eigentlich beide sehr erfolgreich, aber Manu ist vielleicht der bessere Frauenversteher. Ich denke wir können uns da beide nicht beschweren :-).

Manu: Da haben wir beide unsere Stärken und unsere Schwächen.

2 Gedanken zu „„Bei uns im Auto gehts schon ab.“- Interview mit Harms/Peemüller“

  1. Die zwei letzten Fragen sind die Besten 😉 schade, dass es keine Player-Party gibt und derzeit keine Zuschauer auf das Gelände dürfen. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.