„Eher würde ich anfangen zu schreien und dann zu weinen.“ – Interview mit Körtzinger/Schneider

 

Als viertes Team stellen sich Leonie Körtzinger und Sarah Schneider unseren Fragen.

Welchen Beruf hatten sich deine Eltern für dich vorgestellt?/ Was  wolltest du früher werden?

Sarah: Was meine Eltern für mich vorgesehen haben, weiß ich gar nicht. Mein Opa wollte immer, dass ich Lehrerin werde. Ich selber wollte immer Popstar werden. Zumindest habe ich das mal in ein Freundebuch geschrieben, weil ich immer so gerne singe. Ich kann zwar nicht gut singen, aber ich mach es gerne.

Leonie: In Freundebücher habe ich glaube ich geschrieben, dass ich Schauspielerin werden will. Meinen Eltern war es eigentlich egal, solange ich gleichzeitig noch studiere, damit ich noch etwas anderes habe.

 

Wurdest du schon mal erkannt?

Sarah: Erstaunlicherweise ja. Ich war mal bei einem Spiel von Bayern München, weil wir die Karten gewonnen hatten. Dann war ich da in einer Loge mit ganz vielen anderen normalen Menschen und tatsächlich haben mich die Leute dann komisch angeguckt und mich gefragt, ob ich Sarah Schneider bin und bei den Olympischen Jugend-Spielen dabei war. Das hat mich echt ein bisschen erstaunt, weil das alle keine Sportler waren und dann auch noch beim Fußball.

Leonie: In Timmendorf erkennen einen immer die meisten und in Hamburg am Olympiastützpunkt kennen uns auch viele, aber auf der Straße ist noch nie jemand zu mir gekommen.

 

Spielst du lieber Stadt- oder Strandturnier?

Leonie: Ich finde Beachvolleyball gehört an den Strand. Allein morgens das Feeling, wenn man morgens das erste Spiel hat und das Wasser noch glatt ist, ist es immer richtig schön. Generell das Feeling, wenn da Leute im Bikini zuschauen und neben dem Feld steht dann noch Aperol Spritz.

Sarah: Im Ausland auf jeden Fall am Strand, aber es hat auch irgendwas Besonderes in der Stadt zu spielen. Das ist dann auch immer ein echt besonderes Ding, wenn da aus dem Nichts sowas mega heftiges  aufgebaut wird und mitten in der Stadt Beachvolleyball stattfindet, weil es eigentlich so komisch ist, dass es nicht am Strand ist und deswegen hat das auch wieder einen geilen Flair. Ich bin für beides.

 

Was ist deine Lieblingssportart außer Volleyball?

Leonie: Tennis ist schon ziemlich cool. Da schaue ich auch gerne zu, aber ich bin auch sehr fasziniert von Wintersport. Ich finde Skispringen krass, aber auch Biathlon.

Sarah: Da bin ich dann eher bei Slalom oder Abfahrt.

Leonie: Leichtathletik kann ich mir auch sehr viel angucken. Was ich richtig geil finde, ist Zehnkampf, weil da ist alles mit drin. Selber würde ich dann glaub ich Tennis spielen und ich würde mich gerne mal im Weitsprung probieren.

Sarah: Tennis und Abfahrt. Auch, wenn ich Abfahrt niemals machen würde.

 

Lieber Sieg im Tiebreak oder totale Dominanz?

Sarah: Lieber Sieg im Tiebreak. Ich find das dann für alle mega spannend und auch hinterher ist es geiler, auch wenn man vielleicht sogar verliert. Fürs Gesamtpaket spannender.

Leonie: Ich glaube auch, dass man aus denen mehr mitnimmt, weil es auch viel anstrengender ist, aber wenn man auf einen Gegner trifft, gegen den man sonst gedacht wird, dass es eng wird und man dann 2:0 dominiert, weil alles klappt, ist es auch schon ziemlich geil.

Sarah: Also für einen selber im Olympiafinale ganz klar 2:0 durchmaschieren. Das ist glaube ich angenehmer als so ein Krimi.

 

Was war dein letzter Fehlkauf?

Leonie: Ich hab mir einen Bikini online gekauft, ohne den anprobiert zu haben. Als er dann ankam, hat er null gepasst. Man sollte keine Bikinis online bestellen.

Sarah: Als Fehlkauf würde ich meine FitBit bezeichnen. Ich benutz die nicht so mega oft. Ich hasse es eigentlich Uhren zu tragen und kauf mir aber immer wieder eine.

 

Was ist dein Lieblingsangriff?

Sarah: Hart Winkel von vier auf vier. Wenn es geht natürlich auf drei Meter.

Leonie: Welcher mir am meisten Spaß macht, ist die Linie runter. Wenn man diagonal anfliegt und merkt, dass der Blocker mitspringt und dann einfach Linie runterschlägt.

 

Was treibt dich voran?

Sarah: Also ich hab keinen weisen Spruch an den ich mich halte. Bei mir ist aber der Anspruch selber besser als mein maximales Sein zu werden. Früher hatte ich immer Vorbilder im Beachvolleyball und habe anfangs gegen die verloren, dann wurde ich besser als die. Und das ist immer noch so ein bisschen drin.

Leonie: Ich hab in einem Buch die Aussage von einem Sportler gelesen. „In dem Moment, wo du aufgibst, lässt du den anderen gewinnen.“ Manchmal gibt es im Spiel so Momente, wo man nicht weiterkommt und zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Dass man sich da nochmal überlegt, genau in dem Moment, wo ich sage:“ Ich krieg das gerade nicht hin.“ Da schenke ich dem Anderen den Sieg und ich will niemandem den Sieg schenken. Der muss sich den schon holen.

 

Habt ihr ein Ritual vor jedem Spiel?

Sarah: Auf die Toilette gehen? Haben wir irgendwas?

Leonie: Ich würde das jetzt nicht unbedingt als Ritual bezeichnen, aber letzte Saison war unser Aufwärmen immer gleich. Das hilft echt schon mal einen Ablauf zu finden, weil man immer das gleiche macht und nicht mehr so viel nachdenkt.

Sarah: Ich glaub ich mach mir die Haare tausendmal. Ich flechte sie mir und mach sie doch wieder auf. Der Klassiker eben.

 

Was würde euch im Spiel dazu bringen, gegen den Pfosten zu treten?

Leonie: Gar nichts!

Sarah: Gar nichts, das war einfach nur dumm! Ich frag mich echt, was Clemens sich dabei gedacht hat.

Leonie: Also ich glaube was mich richtig aufregen würde, wäre eine richtige Inkompetenz, die auf dem Schiedsrichterpult steht. Wenn richtig krasse Fehlentscheidungen getroffen werden und man sich beschwert, aber die dann nicht mal Englisch können. Das war zum Beispiel bei uns in China der Fall.

Sarah: Ja, das war das Spiel gegen die erste Partnerin von Duda und die eine, die immer zu Gott betet. Brasilianerinnen eben.

Leonie: Da hat eine Chinesin einfach irgendwas gepfiffen, das war so falsch. Wir wollten nur mit ihr reden, aber sie konnte kein Wort Englisch. Es kann doch nicht sein, dass international jemand pfeift, mit dem man sich nicht einmal irgendwie verständigen kann.

 

Waren die Fehlentscheidungen gegen euch?

Leonie: Eine war gegen die, die anderen waren einfach alle gegen uns. Es war ganz, ganz komisch.

Sarah: Aber würdest du deswegen gegen einen Pfosten treten?

Leonie: Ne, das nicht, aber wenn mich irgendwas krass aufregt, dann Schiedsrichter, die nicht Englisch können. Wahrscheinlich würde ich nicht gegen den Pfosten treten, sondern einfach anfangen zu schreien und irgendwann vor Verzweiflung weinen.

Sarah: Ich kann das mit den Schiris immer schneller akzeptieren, einfach weil es so ist und man in dem Moment nichts dagegen machen kann. Ich denke mir dann manchmal, dass er/sie es einfach nicht besser kann, aber ich gehe schon hin, um zu zeigen, dass Präsenz da ist, dass uns das nicht egal ist. Ich kann es auch zum Teil nicht verstehen, wie sich Alex über eine Fehlentscheidung so krass aufregen kann. Schlimmer finde ich es, wenn Gegnerinnen richtig asozial sind.

 

Was war bisher euer prägendster Moment im Beachvolleyball?

Sarah: Mein prägendster Moment war das Finale bei der WM U19 im Jahr 2014. Oder auch das Halbfinale davor. Weil wir ein Jahr zuvor bei derselben WM auf demselben Spielfeld verloren haben, obwohl wir das Spiel eigentlich schon gewonnen hatten. Also wir hatten den ersten Satz gewonnen, im Zweiten hatten wir 20:18 geführt und dann habe ich dieses blöde Sideout nicht durchgebracht, weil ich nur noch an das Finale dachte. Am Ende haben wir sogar das Spiel um Platz 3 noch abgeschenkt.

Leonie: Am prägendsten für mich war die WM in Hamburg. Die Worldtour hat sich für mich immer so weit weg angefühlt und da konnte ich mitkriegen, wie das alles so ist. Die erste WM und noch dazu im eigenen Land, in der eigenen Stadt war schon ziemlich cool.

 

Was war eure bisher schlimmste Verletzung?

Sarah: Das Patella-Spitzen-Syndrom chronisch über mehr als 10 Jahre.

Leonie: Mir ist schon drei Mal die Kniescheibe rausgesprungen, aber sonst habe ich mir noch nie etwas gebrochen oder gezerrt. Ich hatte auch noch keine OPs.

 

Wie kriegt ihr den ganzen Sand aus dem Bad?

Sarah: Mit dem Staubsauger. Ohne Scheiß, ich muss jetzt immer die Badewanne aussaugen nachdem ich mich ausgezogen habe, damit das nicht den ganzen Abfluss verstopft.

Leonie: Jetzt gerade ist es ja so, dass wir wegen Corona nicht in den Trainingsstädten duschen können. Das war immer ganz geil, weil man den ganzen Sand dann dort gelassen hat, dann war zu Hause nicht mehr so viel Sand. Jetzt ziehe ich mich in der Dusche um und spüle dann direkt alles den Abfluss runter. Mit den Haaren ist es aber so, dass ich zwischendurch immer mal wieder Rohrreiniger benutze.

Sarah: Ich überlege mir, so einen kleinen Handstaubsauger zu kaufen. Ich glaube das Ding ist echt viel mehr wert, als man immer denkt.

 

Habt ihr schon Pläne, was nach dem Profisport kommt?

Sarah: Also ich nicht. Aber Lehrerin werde ich auf keinen Fall, das kann ich ausschließen. Sonst kann ich mir aber sehr viele andere Sachen vorstellen. Ich bin da nicht im Kopf so fest, dass ich irgendwas abschließen muss, meine Berufserfahrung vorzeigen muss und dann direkt anfangen muss zu arbeiten.

Leonie: Ich würde gerne etwas mit meinem Studium machen, in welche Richtung weiß ich zwar noch nicht, aber ich kann mir die klinische Psychologie oder die Sportpsychologie ganz gut vorstellen.

 

Habt ihr eine Vermutung, wer die Liga der Männer gewinnt?

Leonie: Ich glaube Harms/Peemüller können auf jeden Fall ärgern, so gut wie die letztes Jahr drauf waren. Ich weiß halt nicht, wie viel die gerade trainieren.

Sarah: Alex und Sven sind vorne mit dabei, auf jeden Fall, obwohl die vielleicht ein bisschen zu sehr auf Perfektionismus aus sind. Vielleicht sind aber auch Betzien/Westphal am fittesten, weil die sich vegan ernähren. Okay, ich tippe jetzt einfach mal auf Glücklederer/Kühlborn, weil die echt viel zocken können und sich das wahrscheinlich gut einteilen.

Leonie: Ich würde bei Glücklederer/Kühlborn mitgehen.

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