„Wenn schonmal, dann auch richtig“-Interview mit John/Sievers

John/Sievers

In Fachkreisen nennt man ihn „der Dancer“ und vermutlich warten wir alle auf ein erstes TikTok, das die Rechtmäßigkeit dieses Namen beweist. In dieser Saison hat er sich neu mit dem Nachwuchsspieler Milan Sievers zusammengetan.

Welchen Beruf hatten sich deine Eltern für dich vorgestellt?/ Was  wolltest du früher werden?

Milan: Ich weiß es ja jetzt noch nicht. Früher auch nicht so richtig. Vielleicht diese Standardsachen wie Polizist.

Dan: Bevor ich Beachvolleyballer werden wollte, wollte ich Hallenvolleyballer werden. Meine Eltern sind auch ziemlich gut im Volleyball gewesen, deswegen war das schon seit der Kindheit da. Irgendwann mal wollte ich auch kurz Fußballprofi werden.

 

Lieber Stadt- oder Strandturnier?

Milan: Für mich als Kieler ist das auf jeden Fall Strand.

Dan: Ich finde beides ziemlich geil. Am Strand ist das mit der Kulisse um einiges geiler und mit der gesunden Meerluft fühlt man sich nochmal so richtig im Sport drinnen. Bei den Stadtturnieren hat das auch immer noch sein eigenes Flair und meistens ist es da auch nicht so ganz windig. Ich sag nicht, dass ich das bevorzuge, aber es hat auf jeden Fall auch nochmal seinen Reiz.

 

Was ist deine Lieblingssportart außer Volleyball?

Milan: Ich schau mir im Winter ziemlich gerne American Football an. Selber hab ich gar nicht wirklich einen anderen Sport. Früher hab ich mal ne Runde Badminton gespielt, aber wenn dann doch auch freizeitmäßig ein bisschen Beachvolleyball zocken.

Dan: Ich müsste ja an sich sagen, dass dancen meine Lieblingssportart ist. Wenn ich was schaue, dann keine spezielle Sportart, sondern eher die Weltmeisterschaften oder die Olympischen Spiele, weil ich den Wettkampf an sich interessant finde. Früher im Garten hab ich mit meinem Bruder auch gerne Tischtennis gespielt oder ein bisschen gebolzt.

 

Lieber Sieg im Tie Break oder totale Dominanz?

Milan: Kommt drauf an. Wenn es ein Kopf an Kopf Rennen ist und man am Ende den Tie Break gewinnt, ist es deutlich zufriedenstellender als, wenn man jemanden 2:0 weghaut. Kräftetechnisch ist es aber auch schön, wenn das Spiel schnell vorbei ist. Am Ende dann aber schon der Tie Break. Knappes Spiel, knapp gewinnen. Ist vom Gefühl her auf jeden Fall besser.

Dan: Da kann ich nur zustimmen. Tie Breaks haben so ne gewisse Burnoutgefahr. Klar gewinnen ist sehr schön, weil das zeigt: Okay, man hat eigentlich alles richtig gemacht in dem Spiel. Aber knapp gewinnen zeigt halt auch, dass man ne gewisse Nervenstärke hatte. Das fühlt sich nochmal ein bisschen verdienter an.  Der Moment der Katharsis ist auch noch ein wenig höher.

 

Was war dein letzter Fehlkauf?

Dan: Ich hab mir so ne Thermomixnachmache gekauft und dann hab ich gemerkt, dass meine Küche zu wenig Platz hat und habs wieder zurückgegeben.

Milan: Ich hab mir Dartpfeile gekauft und die waren nach einer Woche kaputt, weil mein Mitbewohner zweimal Robin-Hoods geworfen hat und dann hinten der Schacht komplett zerbrochen ist.

 

Was treibt dich voran?

Milan: Ich mach den Sport jetzt schon fast mein Leben lang und natürlich ist da der normale Ehrgeiz vorhanden sich noch zu verbessern. Gepaart mit meinem leichten Drang zum Perfektionismus gibt sich das dann schnell von selbst, dass man da alles reinstecken möchte.

Dan: Es macht halt einfach Bock den Sport auszuüben und es gehört halt dazu, dass man in diesem Wettkampfmodus ist. Und natürlich auch, dass man im Leben seine Talente stärken will und diese im Training ausweitet.

 

Hast du ein Ritual vor jedem Spiel?

Milan: Noch kein gemeinsames auf jeden Fall. Ich mache immer das gleiche Aufwärmen, aber so ein richtiges Ritual vor einem Spiel nicht. Ich hab ein Ritual vor jedem Ballwechsel, dass ich mir einmal die Hände abklopfe und und einmal in die Hände klatsche.

Dan: Ich versuche eher das Ritual zu haben, kein Ritual zu haben. Früher in der Jugend habe ich mich ein wenig überritualisiert und teilweise war ich so abergläubisch, dass ich mich so abhängig davon gemacht habe, dass ich da so eine leichte Vergiftung durchgemacht habe. Das war teilweise so, dass der Weg wie ich zum Klo gelaufen und dabei  auf die richtigen Kacheln getreten bin, bestimmt hat, ob ich das Spiel gewinne oder nicht. Deswegen versuche ich mich da auf rationale Weisen und auf meine Leistung zu verlassen.

 

Was bringt dich dazu gegen den Pfosten zu treten?

Milan: Schiedsrichter. Strittige Schiedsrichterentscheidungen, aber sonst eigentlich auch nichts.

Dan: Durch viele schiefgelaufene Sachen, wilde Selbstzerstörung und Aktivitätsmuster im Gehirn. Meine Zehen haben zwar so ein bisschen ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, aber an sich versuche ich selber das Gegendenpfostentreten zu vermeiden.

 

Wie reagierst du auf „schlechte“ Schiedsrichter?

Milan: Manchmal werde ich laut, manchmal schaffe ich es auch, mich zu beherrschen. Wenn er von Anfang an schlecht pfeift, kann man sich ganz gut darauf einstellen. Kritisch ist es bei mir eher, wenn er die ganze Zeit normal pfeift und in strittigen, engen Situationen irgendwie dreimal gegen uns pfeift. Das holt mich manchmal etwas aus mir raus, aber das ist schon besser geworden.

Dan: Innerlich versucht man immer, angespannt zu sein, beim Verhalten sollte man sich aber zurückhalten. Natürlich kann es sein, dass ein Schiedsrichter parteiisch ist, wenn der Gegner z.B. ein Nationalteam ist, dann kann man ihn auch mal strenger darauf hinweisen. Generell ist es aber meistens besser, dem Schiedsrichter Menschlichkeit entgegenzubringen, das macht es ihm leichter.

 

Was war dein bisher prägendster Moment im Beachvolleyball?

Milan: Für mich war das die Nominierung zur U18-Em im älteren Jahrgang. Ich war mega happy, überhaupt als jüngerer Jahrgang eingeladen worden zu sein. Mein erster deutscher Meistertitel und das Monster, was ich mit Max Karpa in Manila gewonnen habe (Ein-Stern-Turnier der World Tour) sind auch hängengeblieben.

Dan: Meine 2 größten Erfolge waren der Studentenweltmeisterschaftstitel und der 5. Platz bei der DM. Da habe ich gemerkt, da ist ordentlich was drin. Andererseits habe ich auch zwei internationale Turniere in der Jugend gespielt, wo ich echt nicht gut abgeschnitten habe und danach gemerkt habe, dass Volleyball Spaß macht und wichtig ist, aber eine Abhängigkeit davon keinen Sinn ergibt. In der Hinsicht wurde ich davon auch geprägt.

 

Was war deine bisher schlimmste Verletzung?

Milan: Da habe ich relativ viel Glück gehabt. Mal Knieprobleme, Schulterprobleme, mal eine Kapsel gerissen. Wobei ich außerhalb des Sports mal einen Schienbeinbruch hatte. Da bin ich als Kind mit dem Schlitten gegen einen Baum gefahren :-).

Dan: Meine schlimmste Verletzung war schon das Patella-Spitzen-Syndrom 2014-2016, wo ich fast 2 Jahre, vor allem Hallenjahre, ausgesetzt habe. Da war ich spielunfähig und auch sportunfähig. Diese 2 Jahre haben dann aber entschieden, dass ich den Beachvolleyballweg gegangen bin.

 

Wie kriegst du den ganzen Sand aus dem Bad?

Milan: Aus dem Bad geht es ganz gut, aus der Wohnung ist es aber ein hoffnungsloses Unterfangen. Der Sand kommt jeden Tag wieder und selbst, wenn man Sachen aus der Waschmaschine rausholt ist da noch Sand drin.

Dan: Man sagt ja in der Psychologie, dass man sich seine Realität selbst erschafft. Man kann es also auch einfach verdrängen, aber objektiv gibt es da keine hilfreichen Methoden. Vor allem als Junge ist das nochmal ein doppelt hoffungsloser Fall.

Milan: Wir bringen uns einfach selbst ein bisschen Strand mit ins Wohnzimmer.

 

Hast du schon Pläne was nach dem Profisport kommt?

Milan: Ich bin noch ein bisschen auf der Suche nach Studiumfindung. Ich schreibe mich nochmal für Jura ein und probiere das aus. Anderweitig könnte ich mir auch vorstellen, in den Physiotherapiebereich zu gehen. Vielleicht kommt auch irgendwann die Innovation für etwas anderes, aber ich habe ja noch Zeit :-).

Dan: Ich habe nebenbei mein Studium ganz gut hingekriegt, deswegen habe ich mir da eine Art zweites Standbein aufgebaut. Ich versuche, so lange es geht bei beidem etwas zu machen. Gefühlt ändern sich meine Interessen, das habe ich auch in der Schulzeit gemerkt, alle 9 Monate. Ob ich dann eher in Richtung Studium gehe,  beim Beachvolleyball bleibe oder etwas ganz anderes mache, weiß ich noch nicht. Trainer kann ich mir vorstellen. Ich versuche selber, so lange zu spielen, wie es geht und später auch im Seniorenbereich. Es ist eine schöne Erfahrung, die Nachwuchsspieler ein bisschen zu ärgern. Ich will da schon hin, aber in welchem Ausmaß, habe ich noch nicht geplant.

Milan: Trainer als Hauptberuf kann ich mir nicht vorstellen, da wäre ich zu heiß, selbst zu zocken. Als Nebenjob, ein paar Kurse geben, könnte ich mir gut vorstellen. Ich war auch schon bei BeachMe eine Woche als Trainer dabei.

 

Wer gewinnt die Liga der Frauen?

Dan: Ich sage Borger/Müller oder Gernert/Schulz. Aufgrund der aktuellen Ergebnissen tippe ich auf Borger/Müller.

Milan: Behrens/Tillmann müssten es eigentlich gewinnen, da ist die körperliche Lage aber noch nicht klar. Deswegen setze ich auf Melli und Sarah, weil die fit sind und Melli gewinnt irgendwie alles :-).

Stand: 22.6.

 

Wer kommt besser bei Frauen an und wer ist besser am Glas?

Dan: Milan ist mit seiner Größe und Präsenz natürlich der Hingucker, nein Spaß 🙂 Was die Quantität am Glas angeht bin ich wahrscheinlich besser, aber die Qualität…ich sage mal, die tschechowslowakischen Gene, die können ganz gut was hergeben.

Milan: Das würde ich unterschreiben. Nach dem, was Dan mir erzählt hat, ist er am Glas definitiv kompetenter.

Dan: Aber sehr selten. Wenn schonmal, dann auch richtig.

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