„Da muss man anerkennen, dass man verloren hat“ – Interview mit Overländer/Overländer

Overländer/Overländer

Today is the day, heute ist der erste Tag der Beachliga! Wer zwischen den Spielen oder nach der Abendsession noch nicht genug von den Athleten hat, kann sich hier angucken, wie sie sich unseren Fragen stellen. Im dritten Interview der Frauen wurde den gebürtigen Berlinerinnen Lena und Sarah Overländer auf den Zahl gefühlt.

Welchen Beruf hatten sich deine Eltern für dich vorgestellt? / Was  wolltest du früher werden?

Sarah: Von unseren Eltern kam nichts Bestimmtes, dass wir etwas machen mussten. Ich glaub, früher wollte ich Lehrerin werden. Das habe ich aber dann nach einem Praktikum verworfen. Ich mag es schon anderen Leuten etwas beizubringen, aber die erzieherische Komponente ist mir dann schon etwas too much.

Lena: Ich wollte früher mal Ärztin werden. Dann hat man aber schnell festgestellt, dass man so erst mal nicht ins Medizinstudium reinkommt, außer man hat ein richtig krasses Abi. Und was ich jetzt so mitbekommen habe, wie viel Aufwand in dem Studium drinsteckt, bin ich schon froh, dass ich es nicht gemacht habe.

 

Wurdest du schon mal erkannt?

Lena: Ja. Bei Karneval letztes Jahr in Köln.

Sarah: Wir waren sogar verkleidet!

Lena: Wir waren zusammen in einer Bar unterwegs und da hat uns ein Typ angequatscht von wegen: Hey, ihr seid doch die Overländer-Zwillinge! Ich hab euch letztes Jahr auf Norderney gesehen.

Sarah: Die meisten kennen uns tatsächlich von Norderney. Ich glaub, weil auch viele aus NRW da sind. Und wenn, fällt es auf, wenn wir zusammen unterwegs sind. Da schon ein-, zweimal, aber alleine noch nie. Oft auch Freunde von Freunden, die mit uns gar nichts zu tun haben.

 

Welche Zwillingsfrage nervt euch am meisten?

Lena: Denkt ihr immer das gleiche? Oder fühlt ihr, was die andere fühlt? Nein. Tausendmal nein und das wird sich auch nicht ändern.

 

Lieber Stadt- oder Strandturnier?

Lena: Von der Atmosphäre her ist Strand schon geiler. Wo wir uns aber sicherer in unserem Spiel fühlen, ist einfach bei den Stadtturnieren.

Sarah: Wir wohnen halt nicht an der See und trainieren auch nie mit Wind. Meistens ist bei den Stadtturnieren der Sand auch nicht ganz so tief, ehrlich gesagt. Das ist bei den Strandturnieren häufig auch mal anders. Bei den Stadtturnieren weiß man, was auf einen zukommt. Vom Feeling her, aber auf jeden Fall Strand und Küste.

 

Was ist eure Lieblingssportart außer Volleyball?

Lena: Ich hätte Snowboard gesagt. Also wir fahren selber auch Snowboard bzw. Ski und das kann man sich auch echt geil im Fernsehen angucken. Nicht nur zu Olympia, sondern auch, wenn zum Beispiel X-Games stattfinden.

Sarah: Vor ein paar Jahren waren wir in den USA Skifahren und da waren die X-Games, wo die dann ihre ganzen Stunts gemacht haben. Das war schon echt geil.

 

Lieber Sieg im Tiebreak oder totale Dominanz?

Sarah: Lieber knapp im Tiebreak.

Lena: Ja, an diese Spiele erinnert man sich später mehr und die fühlen sich auch besser an, wenn man die gewinnt, weil es einfach ein Spiel auf Augenhöhe war und nicht von vornherein klar war, dass man gewinnt.

 

Was war dein letzter Fehlkauf?

Sarah: Wahrscheinlich irgendwelche Klamotten, die im Sale waren und man sich dachte: Die muss ich jetzt unbedingt mitnehmen. Auch, wenn ich nicht zu 100% zufrieden war. Im Endeffekt hab ich es maximal ein Mal angezogen. Wahrscheinlich irgend so ein komisches Oberteil.

Lena: Ja, bei mir auch.

 

Habt ihr einen Lieblingsangriff?

Sarah: Nicht unbedingt.

Lena: Nee, kein Lieblingsschlag.

Sarah: Wir spielen gerne variabel.

 

Was treibt dich voran?

Lena: Meine Motivation ist einfach, dass ich für mich immer besser werden will. Und dass ich dafür jedes Training, jedes Spiel, jede Saison nutze.

Sarah: Für mich gilt das gleiche. Und einfach auch zu sehen, wie weit es noch nach vorne gehen kann. Die Motivation ist so weit nach vorne zu kommen, in der deutschen Rangliste erstmal, wie es geht. Das spornt einen immer wieder an.

 

Hast du ein Ritual vor jedem Spiel?

Lena: Wir hören, bevor wir zum Court gehen, immer ganz gern ein paar Lieder. Da haben wir ein, zwei Favoriten, die wir eigentlich immer hören.

Sarah: Das bringt zum einen ein bisschen Lockerheit rein, aber es pusht einen auch irgendwie nach vorne und man hat dann Bock, ins Spiel reinzugehen.

 

Welche Lieder hört ihr da zum Beispiel?

Sarah: Das ist geheim (lacht).

Lena: Ich sage mal, es geht in die Richtung Party-, Dancelieder.

 

Was bringt dich dazu gegen den Pfosten zu treten?

Sarah: Also erstmal sind wir nicht so dumm, dass wir das im Spiel machen würden.

Lena: Da haben wir uns dann doch ganz gut unter Kontrolle. Was mich aber richtig auf die Palme bringt, wenn ich mich über mich selber aufrege, wenn ich so dumme Sachen mache. Und wenn man merkt, dass ein Schiri in einem Spiel wirklich gegen einen ist oder im Tiebreak bei 13:14 irgendetwas richtig unnötiges pfeift, dann könnte ich wirklich auch gegen den Pfosten treten.

Sarah: Bei Gegnern finde ich es dann sportlich nicht fair, wenn man kritische Situationen nicht zugibt oder wirklich beleidigend wird. Das kann ich dann absolut nicht nachvollziehen, weil irgendwo ist man ja schon ganz gut befreundet oder spricht zumindest sonst normal miteinander und dann muss es, finde ich, nicht so extrem im Spiel sein. Da hatten wir schon die ein oder andere Aktion, die ich echt nicht okay fand.

 

Wie geht ihr dann damit um, wenn ihr einen „schlechten“ Schiedsrichter habt?

Sarah. Also immer erstmal das Gespräch suchen. Bei den dummen Aktionen hingehen und nochmal nachfragen: Was hast du dir dabei gedacht? Erst einmal versuchen, konstruktiv da ranzugehen. Meistens kann man es eh nicht ändern, weil er ein Schiri ist und dann versuchen wir, dass wir uns wieder auf unser Spiel konzentrieren und den Schiri komplett ausblenden, weil man weiß, dass man es in dem Moment nicht ändern kann. Und dann ist es für uns verschwendete Energie, wenn wir uns da weiter einen Kopf drüber machen, weil es eben auch das eigene Spiel beeinflusst.

Lena: Bei so ganz krassen Fehlentscheidungen nehmen wir meistens auch eine Auszeit, weil man das da nicht vom einen auf den anderen Moment ausblenden kann.

 

Was war dein bisher prägendster Moment im Beachvolleyball?

Lena: Der prägendste und auch gleichzeitig beste Moment war als wir in Timmendorf in der ersten Runde mal gegen Laura und Maggie knapp gewonnen haben. Das war einfach ein mega geiles Gefühl und dass man es einfach geschafft hat, auch wenn die beiden nicht ihren top Beachvolleyball abrufen konnten. Aber, dass wir in so einer Situation gegen so ein Team zu gewinnen, war einfach super cool und motivierend.

Sarah: Vor ein paar Jahren wäre es auf jeden Fall nicht drin gewesen und anhand von sowas sieht man, dass, wenn wir einen absoluten top Tag haben, es auch mal drin ist, Nationalteams zu besiegen. Das spornt einen auch weiter an, sodass der Abstand zur Spitze kleiner wird.

 

Was war deine bisher schlimmste Verletzung?

Sarah: Toi toi toi. Bei mir eigentlich nur so kleine Sachen. Der Rücken zwickt mal oder eine Kapsel ist geprellt. Ich hatte am rechten Daumen mal was an der Kapsel. Das hat mich echt einige Monate begleitet und bei jedem Ball, der im Block draufkam, tat es wieder weh. Das war echt unangenehm, aber sonst erstmal nichts weiter.

Lena: Meine schlimmste Verletzung ist schon länger her, in der U16 hab ich einmal einen Bänderriss gehabt.

 

Wie kriegst du den ganzen Sand aus dem Bad?

Beide: Gar nicht.

Sarah: Ein bisschen Sand verliert man immer. Gerade jetzt, wo man nicht auf der Anlage duschen kann, ist es einfach komplett sinnlos. Am Anfang habe ich versucht jeden zweiten Tag hinterherzusaugen, aber es bringt einfach nichts. Da muss man dann mal anerkennen, dass man verloren hat.

 

Hast du schon Pläne was nach dem Profisport kommt?

Lena: Wir studieren beide schon im Master und es geht Richtung Ende. Da werden wir auf jeden Fall danach ins Berufsleben einsteigen. Das war für uns auch die ganze Zeit wichtig, dass wir nebenbei studieren, damit wir etwas haben nach Beachvolleyball.

Sarah: Ich glaube dadurch bleibt beim Sport auch eine gewisse Lockerheit, weil man weiß, dass es nicht das Einzige ist, auf das man gerade setzt und man hat immer noch einen Plan B.

 

Wer gewinnt die Liga der Männer?

Sarah: Bei den Männern ist es echt spannend, weil da viele Teams neu zusammengewürfelt wurden, aber ich tippe Walkenhorst/Winter, weil die schon ein etabliertes Team sind und auch schon länger zusammenspielen.

Lena: Für eine Überraschung könnten auch Glücklederer/Kühlborn sorgen.

 

Hier geht’s zur Website der beiden!

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