Old and Gold

What is my purpose in life? I guess it’s playing volleyball“ – waren die lauten Gedanken einer der größten Beachvolleyball-Legenden der Welt, während er in der Küche über ein Karriereende nachdachte.

Wer weiß, wie schnell dieses gekommen wäre, wenn seine Frau ihn nicht mit „You’ve got to be an idiot if you don’t think it’s playing volleyball“ unterbrochen hätte. Ein ganzes Jahr später rasiert er mit seinem kongenialen Partner die Tour der AVP und gewinnt die ersten beiden Turniere der Champions Cup Series.

Die Rede ist – natürlich – von Phil Dalhausser. Letzte Woche setzte er sich mit dem 4 Monate älterem Nick Lucena im Finale gegen Crabb/Gibb mit 2:1 durch, beim nächsten Endspiel sogar in 2 kurzen Sätzen. Bemerkenswert ist, dass der Altersdurchschnitt in diesem Finale der amerikanischen Top-Tour bei 37,75 Jahren lag. Zum Vergleich: Die Athleten im Männer-Finale des ersten Top-8-Turniers in Düsseldorf konnten nur 25,25 Jahren aufweisen. Auch im Ranking der Top-Spieler spiegelt sich diese Tendenz wieder. Die aktuell besten 15 Herren sind in den USA im Schnitt 37 Jahre alt, in Deutschland fast 10 Jahre jünger.

Schluss mit den Zahlen. Man darf sich fragen, warum sind amerikanische Profis so viel älter?       

Liegt es an der Mentalität, an der deutschen Jugendförderung, an der deutschen Offenheit gegenüber Alkohol oder sind Dalhausser, Lucena, Gibb und Hyden (und viele andere) einfach einmalige Ausnahmespieler, die zufällig zur selben Zeit spielen? 

Ganz eindeutig und generell lässt sich das nicht beantworten. Vor allem liegt es an der längeren Beachvolleyballgeschichte in den USA, wo bereits 1974 zum ersten Mal Preisgeld bei einem Turnier ausgeschüttet wurde. Dazukommt, dass das Preisgeld der AVP auch 1-2 Stockwerke höher ist. 1993 betrug der Preisgeldtopf satte 3,7 Millionen Dollar, mittlerweile spült ein Turniersieg 7,5 bis 15 Tausend Dollar in die Kassen, was in etwa der 3-Sterne-World Tour entspricht. Zum Vergleich: Für einen Sieg bei der Techniker Beach Tour gab es letztes Jahr 3000€, für den deutschen Meistertitel 10000€. Je größer jedoch der Legendenstatus ist, desto weniger sind finanzielle Sorgen Beweggründe für ein Karriereende. Wer weiß, wie lange die Olympiasieger Brink/Reckermann noch den Beachvolleyball bereichert hätten, wenn sie nicht beide ihre Karriere im Alter von 31 und 33 aufgrund von Verletzungen beendet hätten. 

So erfahrene Profisportler bringen eine andere Einstellung zum Sport mit. Das Spielen wird zum „purpose in life“. Das sollte auch das Leitbild für jede andere Beachvolleyball-Tour und -Liga sein. Jeder treue Fan wird sich wünschen, die Ära von Thole/Wickler und anderen Nachwuchstalenten ruhig noch 20 Jahre mitzuerleben. Wächst der Sport, kann das passieren. Passiert das, wächst der Sport. Trotz, vielleicht sogar wegen Corona ist das Jahr 2020 dafür ein Motor. 

Es ist dringend zu empfehlen, sich das letzte Turnier der AVP am 1. und 2. August anzugucken, denn wer weiß schon, wie oft wir noch in den Genuss kommen, diese Legenden live zu sehen. Wer sowieso schon Amazon Prime hat, kann sich den Porsche Cup ohne weitere Kosten ansehen. Wer die 7,99€ monatlich investiert oder die 30 Tage kostenlos testet, sollte dringend seinen Account mit Twitch verbinden und einen Sub bei trops4 dalassen.

Das Motto „Beachvolleyball – purpose in life“ möchte ich jedem mit auf den Weg geben, dem etwas am Sport liegt.

Funfact: John Hyden ist so alt, dass bereits 2008 Artikel darüber erschienen, wie alt er schon ist.

Quelle Beitragsbild: Volleyballfreak.de

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